Pflanze Umtopfen – wann und wie?

Umtopfen ist ein kritischer Moment im Leben einer Cannabis Pflanze. Die Wurzeln brauchen irgendwann mehr Platz, so dass die Pflanze weiter wachsen kann. Doch wann ist der optimale Zeitpunkt zum Umtopfen? Und wie macht man es möglichst schonend ohne dass die Damen eingehen? Wir zeigen, wie und wann man am besten eine Cannabis Pflanze umtopft, so dass die Pflanze sich schnell erholt.

Wozu umtopfen?

Wenn man die Pflanze im kleinen Kübel heranzieht, breiten sich die Wurzeln aus und haben irgendwann kein Platz mehr. Ziel des Umtopfens ist es den Wurzeln ein größeres Gebiet zum Ausbreiten zu stellen.

Wenn man die Pflanze nicht umtopft und in einem kleinen Topf belässt, kann sich das Wurzelwerk irgendwann nicht weiter ausbilden. Wenn das passiert stoppt die Pflanze auch ihr Wachstum, denn das Wachstum der Pflanze oberhalb der Erde orientiert sich stark am Volumen der Wurzelmasse. Ein schönes Beispiel dafür ist der Bonsai, der im Grunde nichts anderes ist, als ein Baum in einem viel zu kleinen Topf.

Die Pflanze breitet ihre Wurzeln in der gesamten Wachstumsphase und etwa 2-3 Wochen nach der Blüteeinleitung aus. Umtopfen sollte daher möglichst früh und bestenfalls nur einmal erfolgen, damit sich die Wurzeln schnell und ohne mehr Zwischenstopps auf die endgültige Topfgröße einstellen können.

Hinweis für Automatics: Diese sollten auf gar keinen Fall umgetopft werden. Da sie automatisch die Blüte erreichen, würde ein Umtopfen zu viel Stress erzeugen. Der Wachstumsstopp in der Wachstumsphase kann dann nicht. Stattdessen sollten Autos direkt in Endtöpfen gekeimt und angezüchtet werden.

Wann umtopfen?

Wenn die Wurzelenden aus den Löchern der Töpfe rausschauen, dann ist das ein zuverlässiges Signal die Pflanze umzutopfen. Das ist ein Zeichen dafür, dass der Topf vollkommen durchwurzelt ist und die Wurzeln auf der Suche nach mehr Platz sind.

Damit die Pflanze umgetopft werden kann, sollte sie mindestens drei Blattpaare gebildet haben. Die Keimblätter zählen nicht dazu. Vorher ist das Wurzelwerk mit höchster Wahrscheinlichkeit noch zu schwach. Hat man schon vorher eine volle Durchwurzelung, ist der Topf (oder wahrscheinlich eher der Becher) zu klein.

Wenn die Wurzeln noch nicht rausschauen, hat sich das Wurzelwerk wahrscheinlich noch nicht komplett ausgebildet. Wenn das der Fall ist, sollte man noch nicht umpflanzen. Es ist nicht garantiert, dass die Erde ausreichend durchgewurzelt ist, sie könnte beim Versuch des Umtopfens auseinanderfallen und dabei die Wurzeln abreißen oder beschädigen.

Man sollte die Pflanze nur in der Wachstumsphase umtopfen. An sich kann man eine Pflanze etwa bis zur dritten Blütewoche umtopfen. Danach bildet die Pflanze wenig bis gar keine neuen Wurzeln mehr. Das Umtopfen wäre dann sinnlos. Generell sollte man Umtopfen in der Blütephase vermeiden. Es ist nur als Notfalllösung zu betrachten.

Wichtig ist, dass die Pflanze vor dem Umtopfen gesund und munter ist. Hat sie Probleme wie Nährstoffmängel, Überdüngung oder andere Krankheiten, schadet man der Pflanze mit dem Umtopfen noch mehr. Man sollte die Pflanze erstmal wieder aufpäppeln, bevor es ans Umtopfen geht.

Kein Platz mehr für Wurzeln – diese Pflanze schreit nach einem größeren Topf

In Zwischentopf oder direkt in End-Topf Setzen?

Als Grower steht man vor der Wahl die junge Pflanze entweder in einen mittelgroßen Kübel umzutopfen oder direkt in den großen End-Topf zu setzen.

Einmal weniger Umtopfen heißt einmal weniger Stress für die Pflanze. Man muss wissen, dass das Umtopfen eine Belastung für die Pflanze darstellt. Sie wird ihr Wachstum für ein paar Tage einstellen. In dieser Zeit wird sie auch weniger Wasser und Nährstoffe benötigen. Man sollte also nicht versuchen, dem Wachstumsstopp mit übermäßig viel Dünger oder Wasser entgegen zu wirken.

Wenn die Pflanze in vorgedüngte Erde gesetzt wird, kann es direkt nach dem Einsetzen zu leichten Nährstoff-Verbrennungen kommen. Durch den Stress und den empfindlichen Wachstumsprozess können die Nährstoffe nicht richtig verarbeitet werden. Man sieht verbrannte Spitzen/Ränder an den Blätter oder sogar induzierte Mängel. Aber keine Sorge, auch davon wird sich eine frisch umgetopfte Pflanze innerhalb von ein bis zwei Wochen erholen.

Welche Endtöpfe Kaufen?

An sich reichen normale Plastikkübel als Endtöpfe. Wichtig ist, dass sie schwarz und undurchsichtig sind. Bestenfalls sollten sie quadratische Form haben, um den Platz in der Growbox optimal auszunutzen. Und man sollte Untersetzer nicht vergessen.

Wer das Maximum aus den Pflanzen rausholen will, dem empfehle ich Gronest Stofftöpfe. Sie kosten nur ein paar Euro mehr, bieten aber dafür jede Menge Vorteile. Mehr dazu in der Blumentopf Kaufberatung.

Die richtige Größe hängt davon ab, wieviel Platz, vor allem Höhe, man in der Growbox zur Verfügung hat. Bei kleineren Growboxen mit weniger als 160cm Höhe darf die Pflanze nicht zu hoch werden. Da reichen kleinere Kübel, so dass man ein paar Zentimeter mehr an zur Verfügung stehender Höhe gewinnt.

Man sollte bei kleinen Endtöpfen nicht vergessen die Pflanze rechtzeitig in die Blütephase zu schicken. Bleibt die Pflanze zu lange im Wuchs, breiten sich die Wurzeln im Topf weiter aus bis der Topf durchwuchert ist. Das führt zum Nährstoffmangel, da die Pflanze oben weiter wachsen will, aber die Wurzeln nicht so viel Futter liefern können.

Die untere Tabelle zeigt meine Empfehlungen für Anzahl End-Töpfe inkl. Volumen für gängige Growbox-Größen.

Vorgehen für Schonendes Umtopfen

Damit das Umtopfen möglichst reibungslos geht, sollte die Erde halbwegs nass sein, so dass der Erdballen der Pflanze nicht furztrocken ist und auseinanderfällt. Das kann die Wurzel verletzen oder unnötig stressen.

Es ist manchmal nicht zu vermeiden, dass kleinere Wurzelteile abgerissen werden. Die Pflanze erholt sich meist relativ schnell, solange die Erde im neuen Topf hochwertig ist und die Pflanze sich vom Stress erholen und ausbreiten kann.

Damit die Pflanze möglichst wenig Stress erleidet, gibt es eine einfache Methode. Wir nennen sie die Stanzmethode. Dabei wird die Form für den Erdballen quasi in die neue Erde gestanzt.

Man braucht:

  • Pflanze im kleinen Topf
  • Großer Blumentopf
  • Blumenerde (bestenfalls vorgedüngt)
  • Gießwasser (pH = 6 – 7, EC = max. 0,4)

Vorgehen:

  1. Großen Blumentopf am Boden soweit mit Blumenerde füllen, dass der kleine Kübel draufgestellt werden kann und ca. 5cm hoch über den großen Kübel hinausragt
  2. Anzucht Topf draufstellen und leicht in die Erde drücken. Etwas hin und her schieben, bis die Oberkanten beider Pflanzgefäße auf gleicher Höhe sind
  3. Langsam und gleichmäßig Blumenerde in den großen Kübel füllen, während(!) der kleine Kübel unverändert in der Mitte und auf gleicher Höhe sitzt. Die Erde wird also drumherum aufgefüllt.
  4. Blumenerde nun etwas gießen, bis diese feucht ist (nicht nass!).
  5. Erde leicht eindrücken, so dass sie sich etwas setzt
  6. Ggf. etwas Erde nachkippen, bis der Gießrand des Topfes erreicht ist. Danach auch nochmal ein wenig nachwässern
  7. Den Anzucht-Topf nun vorsichtig aus der Blumenerde anheben. Nun hat man ein Loch genau in der Form des kleinen Kübels!
  8. Kleinen Kübel der Pflanze, die umgetopft werden soll, von allen Seiten (auch Unterseite!) etwas eindrücken, so dass sich Innen die Erde von der Topfwand löst
  9. Mit einer Handfläche die obere Erdschicht halten, die andere Hand hält die Unterseite des Topfes
  10. Topf vorsichtig kopfüber drehen und die Unterseite leicht drücken, so dass die Erde in einem Stück rauskommt und der Topf ohne Widerstand abgehoben werden kann

Direkt nach dem Umtopfen braucht die Pflanze durch den Stress weniger Wasser und absolut kein Dünger. Somit muss man mit kleinen Gieß-Portionen anfangen und die Portionen erhöhen, sobald die Pflanze Durst zeigt und der Topf merkbar leichter wird.

Sobald der Wasserverbrauch merklich steigt, kann man anfangen kleine Portionen Dünger dazuzugeben. Bei vorgedüngten Blumenerden kann es nach dem Umtopfen zu Überdüngungserscheinungen kommen. Diese sollten nach spätestens zwei Wochen verschwinden. Falls sie dann immer noch Symptome von Nährstoffüberschuss zeigen, sollte man die Erde spülen.

Nach dem Umtopfen sollte man mindestens zwei Wochen warten, ehe man die Blütephase einleitet. Erst dann ist garantiert, dass die Pflanze sich vom Umtopfstress vollständig erholt hat.

Growen Ohne Umtopfen Möglich?

Grundsätzlich ist es möglich den Grow direkt im großen Endtopf anzufangen. Der Samen wird dann in nährstoffarmer Erde (bspw. ein Light Mix) und nach und nach mit mehr Dünger versorgt.

Insbesondere bei automatisch blühenden Sorten (Automatics) ist das ein effektives Vorgehen, da diese oftmals mit dem Stress des Umtopfens schlechter fertig werden als photoperiodische Sorten.