Cannabis Pflanze: Blüte Einleiten

Junior Gong

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Cannabis ist eine erstaunlich schöne Pflanze: die großen Sonnensegel, der geäderte gelbgrüne Stamm und nicht zu vergessen ihre farbenfrohen Blüten. Doch die Buds sind natürlich nicht nur hübsch anzusehen, denn jeder Grower verfolgt nur ein Ziel – saftige, große Früchte. Was ihr wann tun müsst, um diese zu erhalten, klären wir hier im Artikel.

Grundsätzliches

Wie jede andere Pflanze hat Cannabis zwei entscheidende Phasen in ihrem Lebenszyklus: Wachstums- und Blütephase. Während Hanf im Freien automatisch in die Blüte übergeht, muss beim Indoor Anbau die Blütephase manuell eingeleitet werden.

Cannabis gehört zu den photoperiodischen Pflanzen. Photoperiodisch heißt, dass die Pflanze ihre Entwicklung und Wuchs-Verhalten von der Tageslänge (Photoperiode) abhängig macht. Konkret heißt das: Bei langen Tagen wächst die Pflanze und bildet noch keine Blüten (Wachstumsphase). Erst wenn die Tage kürzer werden, geht die Pflanze in die Blütephase über.

Nach der Keimung der Pflanze sollte sie täglich 18 Stunden Licht bekommen, damit sie in der Wachstumsphase bleibt. Erst wenn die Pflanze eine gewisse Größe erreicht, geht man auf 12 Stunden Beleuchtungszeit und 12 Stunden Dunkelheit über. Das gibt der Pflanze das Signal in die Blütephase überzugehen.

Sobald die Pflanze das Signal zur Blütenbildung bekommt, ändert sich auch ihr Nährstoffbedarf. Deswegen muss man auch die Düngung umstellen.

In der Wachstumsphase benötigt Cannabis vor allem Stickstoff. Dieser ist der Hauptbestandteil eines klassischen Wuchsdüngers. Stickstoff sorgt vor allem für die Bildung von Chlorophyll. Und ohne Chlorophyll gibt es keine Photosynthese. In der Wachstumsphase wächst außerdem nicht nur der sichtbare Teil der Pflanze. Auch das Wurzelsystem breitet sich enorm aus.

In der Blütephase benötigt man jedoch deutlich mehr Phosphor und Kalium. Diese Stoffe sind vermehrt im Blütedünger enthalten. Kalium ist enorm wichtig für die Standfestigkeit und den Stoffwechsel der Pflanze. Es schützt die Pflanze auch ein wenig vor Schädlingsbefall. Phosphor dient der Pflanze hauptsächlich zum Aufbau von wichtigen Enzymen und zur Blütenbildung.

Die drei Nährstoffe Stickstoff (N), Phosphor (P) und Kalium (K) sind die wichtigsten für die Cannabispflanze. Deswegen wird auf jedem Dünger das sogenannte N-P-K Verhältnis angegeben. So bekommt man als Grower die Info, wie hoch die jeweiligen Anteile sind.

Wann Blüte Einleiten?

Die Kunst beim Indoor Anbau ist es die Blüte zum optimalen Zeitpunkt einzuleiten.

Wenn die Blüte zu früh eingeleitet wird, hat die Pflanze zu wenig Masse für die späteren Blüten gebildet. Man würde eine magere Ernte bekommen.

Leitet man die Blüte zu spät ein, kann die Pflanze zu hoch wachsen. Man bekommt dann Platzprobleme in der Growbox. Beide Szenarien sind äußerst ärgerlich und sollten deshalb vermieden werden.

Bevor man die Blüte überhaupt einleitet, müssen bestimmte Kriterien erfüllt worden sein:

  • Vorblüte fast vollständig abgeschlossen
  • Bereits umgetopft
  • mind. drei Nodien

Das ist meist nach 3-6 Wochen der Fall. Wann genau man die Blüte einleitet, hängt am Ende von der Höhe der Pflanze und den voraussichtlichen Stretch der Sorte ab.

Vorblüte

Das wichtigste Kriterium für die Einleitung der Blüte ist die Vorblüte. Diese sollte fast vollständig abgeschlossen sein.

Die Vorblüte wird nach etwa 3 bis 5 Wochen sichtbar. Dabei bilden sich an den Trieb- und Blattachseln der Pflanze die ersten Blütenansätze. Bei den weiblichen Pflanzen bilden sich Blütenkelche, aus denen Stigmen wachsen. Sie sehen aus wie kleine Härchen.

Weibliche Vorblüte

Bei der weiblichen Vorblüte bilden sich nach und nach an jeder Trieb- und Blattachsel der Pflanze je ein Blütenkelch (Calyxe). Aus diesem Kelch wiederum entspringen zwei Härchen (Stigmen).

Diese zwei Härchen nennt man Blütenstempel oder auch Stigmen. Sie dienen dazu, den Pollen der männlichen Pflanze aufzufangen (Bestäubung).

Sobald diese Geschlechtsmerkmale sichtbar sind, ist die Pflanze bereit in die Blütephase überzugehen.

weibliche Vorblüte

Die sogenannten Stipule (im Bild eingezeichnet) sind unabhängig vom Geschlecht. Sie treten bei jeder Cannabispflanze auf!

Bereits Umgetopft

Die Pflanze sollte bereits mindestens einmal umgetopft worden sein, ehe man die Blüte einleitet. Würde man die Pflanze später in der Blütephase umtopfen, wird sie das enorm stressen. Hier würde der Ertrag stark darunter leiden. Es könnte auch passieren, dass die Pflanze zu zwittern beginnt.

Mindestens drei Nodien

Auch sollte die Pflanze mindestens drei Nodien (Knoten an der Sprossachse, an dem die Sonnensegel und Seitentriebe wachsen) haben. Das ist etwa nach 3 bis 6 Wochen der Fall. Die Pflanze ist ab diesem Zeitpunkt groß genug und hat ausreichend Masse gebildet, um die Blüten tragen zu können.

Höhe der Pflanze

Wann genau der optimale Zeitpunkt zur Einleitung der Blüte ist, hängt von der Höhe der Pflanze und der Sorte ab. Denn auch in der Blütephase wächst die Pflanze weiter in die Höhe.

Dieser zweite Wachstumsschub wird als Stretch bezeichnet und vom Züchter in Prozent (gemessen an der Höhe der Pflanze bei der Einleitung der Blüte) angegeben. Diesen Stretch muss man bei der Einleitung der Blüte mit einplanen, sodass später noch genug Platz nach oben in der Growbox bleibt.

Wie hoch der Stretch einer Sorte ausfällt, hängt von der Genetik ab und wird vom Züchter oder vom Seed Shop mit angegeben. Sativas oder Sativa-dominante Sorten neigen zu einem ausgesprochen starken Stretch. Dieser kann bei bis zu 400 % liegen. Indicas sind etwas gemäßigter, ihr durchschnittlicher Stretch beträgt 200 %.

Achtung: Am Ende kann man nicht die volle Höhe der Growbox für die Pflanze nutzen. Man muss die Höhe der Töpfe, die Höhe der Abluftanlage, Höhe der Lampe und den Mindestabstand der Pflanze zur Lampe abziehen. So bekommt man die tatsächliche verfügbare Höhe.

Kann Man Blüteeinleitung verschieben?

Falls man Probleme in der Wachstumsphase bekommt und die Pflanze noch klein ist, lohnt es sich die Einleitung der Blüte um ein bis zwei Wochen nach hinten zu verschieben. Vor allem Erstgrower begehen oft klassische Anfängerfehler, die der Pflanze kurzzeitig zusetzen und das Wachstum bremsen.

Typische Probleme sind Nährstoffmängel, Überdüngung, zu spätes Umtopfen oder Überwässerung. Es kann auch zu erhöhtem Stress durch Beschneidung, Schädlingsbefall oder durch andere „Unfälle“ (z. B. Sprossachse aus Versehen umgeknickt) kommen.

Durch die zusätzliche Wuchs-Zeit gibt man der Pflanze die Chance den Wachstumsstopp wieder wett zu machen und sich von Stress zu erholen. So kann sie genug Masse bilden, um für die Blüte fit zu sein.

Vorgehen zur Blüteeinleitung

Man leitet die Blüte ein, indem man den Lichtzyklus von 18/6 auf 12/12 umgestellt. Die kürzere Lichtphase simuliert die kürzeren Tage im Herbst. Das gibt der Pflanze das Signal Blüten zu bilden.

Gleichzeitig muss man von Wuchs- auf Blütedünger umstellen. In der Blütephase braucht die Pflanze einen anderen Nährstoffmix. Vor allem braucht sie weniger Stickstoff und mehr Phosphor. Je nach Art und Hersteller des Düngers ist der Wechsel unterschiedlich. Mehr dazu ist unten im passenden Abschnitt.

Sofern man keine Vollspektrum LED nutzt, muss man die Beleuchtung von Wuchs auf Blüte umstellen. Bei LED Lampen findet man meist einen speziellen Schalter am Gehäuse. Falls man eine Metallhalogenlampe (MDL) nutzt, muss man diese durch einer Natriumdampflampe (NDL) auswechseln. Bei Leuchtstoffröhren muss man auch auf Blüte-Leuchtmittel wechseln.

Auch muss man Temperatur und Luftfeuchtigkeit leicht senken. Vor allem Schimmel und mögliche Schädlinge werden damit verhindert. Gleichzeitig verhindert man mit den etwas kühleren Temperaturen eine mögliche Verflüchtigung der Wirkstoffe (Terpene) in der Blüten. Diese sind für Geruch und Geschmack zuständig und sind sehr hitzeempfindlich.

Checkliste zur Blüteeinleitung:

  • Lichtzyklus auf 12/12 umstellen
  • Lampe von Wuchs auf Blüte wechseln
  • Auf Blütedünger umstellen
  • Luftfeuchtigkeit senken (max. 50 %)
  • Temperatur leicht senken (max. 26 ºC)

Lichtzyklus umstellen

In der Wachstumsphase beträgt der Lichtzyklus 18/6. Das heißt, die Tageslänge beträgt 18 Stunden und die Länge der Nacht 6 Stunden. Um die Blüte einzuleiten, erhöht man nun die Länge der Nachtphase von 6 auf 12 Stunden. Damit erhält man einen 12/12 Zyklus. So simuliert man die kürzeren Tage im Herbst.

Bei manchen Landrassen (Sorten, die sich ohne menschlichen Einfluss seit sehr langer Zeit in einem bestimmten Gebiet entwickeln), gerade aus dem asiatischen Raum sollte die Umstellung des Lichtzyklus stufenweise erfolgen. Diese Sorten mögen einen schnellen Umbruch der Licht- bzw. Sonnenstunden gar nicht und reagieren darauf mit geringen Erträgen oder fangen an zu zwittern.

Beleuchtung wechseln

Je nach Art der Beleuchtung muss diese von Wuchs auf Blüte umgestellt werden. Wer eine LED Beleuchtung benutzt, stellt den Blüte-Modus ein. Falls man eine Vollspektrum LED (wie bspw. unsere Top-Empfehlung Sanlight) hat, muss man nichts mehr umstellen. Wie nah die LED Lampe an die Pflanze kann, hängt von der Bauart und der Leistung ab. Meist wird der optimale Abstand vom Hersteller angegeben.

Die Sanlight LED hat ein Vollspektrum – da muss man nix umschalten

Wer klassisch mit Metallhalogenlampe (MHL) growt, steigt zum Beginn der Blütezeit auf eine Natriumdampflampe (NDL) um. Diese enthält das passende Farbspektrum für die Blüte. Vorsicht, MHL und NDL werden sehr heiß! Ohne passenden Wärme-Spreader sollte man mehr als 25 bis 30 cm Abstand zur Pflanze einstellen.

Wer Energiesparlampen (ESL) oder Leuchstoffröhren (LSR) benutzt, sollte die Power deutlich erhöhen. Die Lampen bedienen sich zwar meist einem breiten Farbspektrum, jedoch ist ihre Leistung ein wenig zu schwach, um der Pflanze die nötige Energie zu liefern. Der einfachste Weg ist es, die Anzahl eingesetzter Leuchten zu erhöhen. Diese Lichtquellen werden nicht sehr heiß, weswegen nur ein paar Zentimeter Abstand zur Pflanze ausreichen.

Auf Blütedünger wechseln

Zeitgleich mit der Lichtumstellung muss man nun den Wuchsdünger mit dem Blütedünger austauschen. Egal ob der Dünger mineralisch, organisch oder eine Mischform ist – man kann den Wechsel von einem Tag auf den anderen abrupt machen.

Wichtig ist, dass man bei der Dünger-Umstellung nicht von organisch auf mineralisch wechselt oder andersrum. Das ist nur was für fortgeschrittene Grower, die volle Kontrolle über die Nährstoffversorgung haben wollen. Wenn man nicht 100 % weiß, was man tut, wird man Nährstoffprobleme verursachen.

Auch sollte man durch den gesamten Grow beim Dünger eines einzelnen Herstellers bleiben. Die Wuchs- und Blütedünger sind stets aufeinander abgestimmt. Wechselt man mitten im Grow zum Dünger eines anderen Herstellers, kann es schnell zu Nährstoffproblemen kommen.

Zur Sicherheit sollte man immer das Düngeschema des Herstellers beachten. Dort wird angegeben, ob man beim Wechsel irgendwas Spezielles beachten muss. Beispielsweise hat der Dünger von Biobizz die Besonderheit, dass man den Wuchsdünger bis zum Ende des Grows verabreicht. Der Blütedünger wird einfach dazugemischt. Mehr dazu im Biobizz Düngeschema.

Luftfeuchtigkeit senken

In der Blütephase sollte die Luftfeuchtigkeit nicht mehr als 50 % betragen. Falls man im Wuchs darüber lag (schließlich sind da bis zu 70 % kein Problem), muss man sie nun senken.

Mit dem zunehmenden Stretch und der Blütenbildung wird die Pflanze nun anfälliger für Schimmel. Die Blätter fangen an sich an manchen Stellen zu überlappen. An diesen Stellen kann sich schnell Schwitzwasser ansammeln und schnell zu einer Brutstätte für Schimmel werden.

Um die Luftfeuchtigkeit am effektivsten zu senken, sollte ein ausreichend starker Abluftventilator vorhanden sein. Falls die Luftfeuchtigkeit immer noch zu hoch ist, kann man ein Luftentfeuchter einsetzen.

Wer einen recht schwachen Umluftventilator nutzt, sollte auch diesen verbessern oder sich einen zweiten zulegen. Gerade in der Blütezeit ist es wichtig, dass die Luft ordentlich zirkulieren kann.

Tipp: Um das Schimmelrisiko auch weiterhin zu minimieren, sollte man die Blüten regelmäßig kontrollieren und dabei Handschuhe tragen, um das Infektionsrisiko zu senken.

Temperatur senken

Für die Blütephase sollte die Temperatur maximal 26 ºC betragen. Damit senkt man das Risiko für Schädlingsbefall, da die meisten Biester es warm mögen. Gleichzeitig verhindert man die Verdunstung von Terpenen, die sich bei Hitze sehr schnell verflüchtigen können.

Die Mindesttemperatur sind weiterhin 18 ºC, wie schon in der Wachstumsphase. Vor allem in der Dunkelphase sollte man darauf achten, dass die Temperatur nicht darunter liegt. Anderenfalls wird das Wachstum der Pflanze gebremst.

Oft wird auch der Temperaturabfall von Licht- zur Dunkelphase vergessen. Dieser sollte maximal 8 ºC betragen. Kühlt die Luft zu stark ab, kann sie weniger Wasser speichern. Das kann die Luftfeuchtigkeit stark erhöhen und zu den gefürchteten Wasserablagerungen führen.

Allgemein für die Blüte sind 22 bis 26 ºC optimal für die Lichtphase und 18 bis 20 ºC optimal für die Dunkelphase. Solange man sich daran hält, wird die Pflanze saftige Blüten bilden. Unten ist unsere Empfehlungs-Tabelle für Temperatur und Luftfeuchtigkeit je nach Phase.

PhaseTemperaturLuftfeuchtigkeit
Wachstumsphase20 bis 30 °C40 bis 70 %
Blütephase18 bis 26 °C40 bis 50 %
Ende der Blütephase18 bis 26 °C< 40 %
Temperaturunterschied zwischen Licht und Dunkelphasemaximal 8 °C
Zur Erinnerung: Optimale Temperaturen beim Cannabis Grow

Mehr dazu in unserem Artikel, wie man die Temperatur in der Growbox senkt.

Info: Diese Empfehlungen können leicht abweichen, falls bestimmte Sorten mit tropischer oder „nördlicher“ Genetik verwendet werden.

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