Cannabis: Überdüngung erkennen und lösen

Überdüngung ist ein häufiges Problem bei Indoor Growern, die getreu dem Motto „mehr hilft mehr“ ihre Pflanzen mit Grow-Boostern zuschütten. Doch die meisten vergessen, dass Cannabis Pflanzen zu viele Nährstoffe auf einmal nicht verarbeiten können.

Durch überschüssige Nährstoffe entstehen „Verbrennungen“ an den Spitzen der Blätter. In manchen Fällen rollen sich die Blätter nach oben. Im weiteren Verlauf wandert die Verfärbung zum Blattinneren und die Spitzen und Ränder der Blätter sterben ab. Außerdem kann man durch Überdüngung die Wurzeln verbrennen.

Symptome

Man erkennt eine Überdüngung vor allem an braunen, verbrannten Spitzen und Rändern der Blätter. Dort lagern sich die überschüssigen Nährstoffe in Form von Salzen ab. Da sie nicht schnell genug verarbeitet und in Zellmasse umgesetzt werden können, kristallisieren sie sich dort. Die betroffenen Blattspitzen werden dann braun und trocknen aus.

Oft verfärben sich die Blätter zusätzlich dunkelgrün und fast ins Bläuliche. Das ist ein Anzeichen von Stickstoff-Überschuss, was sehr oft in Kombination mit allgemeinen Überdüngungs-Erscheinungen auftritt.

  • Blätter bekommen braune Spitzen und Ränder, die sich im weiteren Verlauf auf das gesamte Blatt ausbreiten
  • Betroffene Blätter verfärben sich ggf. dunkelgrün durch Stickstoffüberschuss
  • Blattränder und -spitzen rollen sich nach oben
  • Lila Stängel und Äste sind ebenfalls möglich

Überdüngung und Mängel gleichzeitig?

Hier ist ein absurdes Beispiel. Die Pflanze oben zeigt klare Überdüngungs-Erscheinungen durch braune Blattspitzen, die sich nach oben einrollen. Aber gleichzeitig hat die Pflanze auch klare Mangelerscheinungen, die man an der gelben Verfärbung zwischen den Blattadern (Chlorose) und rostbraunen Flecken auf den Blattoberflächen erkennen kann.

Der Grund dafür ist, dass die durch die Überdüngung angesammelten Mineralien und Salze den pH-Wert des Mediums verändern. Growt man nicht in organischer Erde bzw. in einem hydroponischen System oder in Coco, werden Änderungen am pH-Wert nicht gepuffert wie bei Erde-Setups. Dadurch bekommt die Pflanze Probleme bestimmte Nährstoffe zu verarbeiten und aufzunehmen. Es entstehen induzierte Mängel (Lockouts) von bestimmten Nährstoffen und gleichzeitig Überdüngungs-Symptome.

In seltenen Fällen können auch bei Grows auf Erden Überdüngungs- und Mangelerscheinungen gleichzeitig auftreten. Dann ist meist eine billige Erde schuld, die den pH-Wert nicht stabil halten kann.

Verwechslungsgefahr

Wenn sich Überdüngung an den unteren Blättern zeigt, kann sie manchmal mit einem Mangel verwechselt werden. Anfänger können die braunen Ränder und Spitzen schonmal für einen Mangel halten und dann Dünger nachkippen. Das macht es nur noch schlimmer.

Hier muss man als Grower logisch mitdenken: Wenn die Pflanze frisch in vorgedüngte Erde umgetopft oder schon regelmäßig gedüngt wurde, kann es kein Mangel sein. Selbst wenn es wirklich wie ein Mangel aussieht, dann ist er wahrscheinlich induziert.

Bei einem induzierten Mangel kann durch den Überschuss eines bestimmten Nährstoffs ein anderer nicht mehr aufgenommen werden. Alle Nährstoffe sind in einer Wechselwirkung und werden oft in Abhängigkeit voneinander aufgenommen oder geblockt.

Typische Ursachen

Nicht immer ist eine zu hohe Düngung die Ursache für die Symptome. Oft kann das Problem durch einen falschen pH-Wert oder zu hohen EC-Wert ausgelöst worden sein. Auch kann es nach dem Umtopfen zu einer Stressreaktion der Pflanze kommen.

pH Wert falsch?

Ist der pH-Wert nicht im optimalen Bereich, können manche Nährstoffe in den Blättern nicht verarbeitet werden. Sie lagern sich an den Spitzen ab, was die „Verbrennungen“ verursacht.

Lösung: pH-Wert des Drains messen und ggf. korrigieren

Wenn man die Pflanze das nächste Mal bewässert, nimmt man das untern abfließende Wasser (Drain) und testet dessen pH-Wert. Er sollte beim Grow auf Erde bei 6,0 bis 7,0 liegen (Hydro: 5,5 bis 6,5).

Beim mineralischen Grow empfehlen wir pH-Plus und pH-Minus Präparate, um den pH-Wert zu korrigieren. Diese werden dem Gießwasser hinzugegeben. Bei einigen Herstellern gibt es auch separate Versionen für Wuchs und Blüte. Dies sollte man auch beachten.

Beim organischen Grow braucht man in 99% der Fälle den pH-Wert nicht anzupassen. Klar gibt es da auch passende pH-Up/Down Präparate. Doch organische Erden können pH-Schwankungen extrem gut puffern, so dass man mit pH-Korrekturen mehr falsch als richtig machen kann. Nur wenn der pH-Wert extrem stark abweicht, sollte man ihn anpassen.

EC-Wert zu hoch (nur mineralisch)?

Vorab-Hinweis: Der EC-Wert muss nur beim mineralischen Grow kontrolliert werden. Beim organischen Grow ist der EC-Wert nicht wirklich messbar und hat keinen Einfluss auf Nährstoffprobleme.

Ist der EC-Wert zu hoch (sprich das Growmedium versalzen), können Nährstoff-Lockouts entstehen. Der EC-Wert muss zum Anfang recht niedrig sein und steigt mit dem fortschreitenden Wuchs der Pflanze. Deswegen sollte man ihn kontrollieren, falls es zur Überdüngung kommt.

Lösung: EC-Wert des Drains messen und ggf. senken.

Wenn man die Pflanze das nächste Mal bewässert, nimmt man das untern abfließende Wasser (Drain) und testet dessen EC-Wert. Wenn er stark erhöht ist, muss man ihn senken.

Zur Bestimmung des EC-Wertes (Salzgehalt bzw. elektrische Leitfähigkeit) des Mediums benötigt man ein EC-Meter. Ein EC-Meter sieht aus wie ein pH-Meter und wird auch fast genauso benutzt. Damit misst man dann das Ablaufwasser (Drain) vom Topf. Der optimale EC-Wert richtet sich nach der Anbaumethode (Erde, Hydro) und der Growphase der Pflanzen.

Optimaler EC-Wert des Mediums

Um die Pflanze zu spülen, nimmt man das 2 bis 3-fache Volumen der Erde im Topf (sprich des genutzten Topfvolumens) an Gießwasser. Damit wird die Erde langsam und gleichmäßig verteilt durchgespült, sodass das Wasser unten herausläuft. Am besten macht man das Ganze in der Badewanne oder in der Dusche.

Nach dem Spülen muss die Erde ganz leicht neu angedüngt werden. Dazu einen hochwertigen mineralischen Dünger nehmen und mit 50% der Dosierung gemäß Schema hinzugeben. Dann mit jeder Düngung langsam steigern (60%, 70% usw.). Dabei die Pflanze beobachten, ob sie besser wird. Hat sich die Pflanze erholt, kann man die Dosis stabilisieren und nach dem Schema des Herstellers weiter gehen.

Minderwertige Erde?

Billige Noname-Erden haben oft Nährstoffe in einer „minderwertigen“ chemischen Form, um Kosten zu sparen. Deswegen können die Pflanzen oft mit Symptomen von Überdüngung reagieren, weil die Darreichungsform einfach nicht verträglich für die Pflanze ist. Gerade, wenn man mineralisch growt und die Erde für sechs Wochen oder mehr vorgedüngt ist, kann man die Pflanze nach dem Umtopfen sehr schnell überfüttern.

Lösung: Erde spülen und Daumen drücken

Man sollte stets passende Erde nehmen, die einen passenden Nährstoff-Mix für Cannabis bereithält. Unsere Top-Empfehlungen sind BioBizz für organische Erde und Plagron für mineralische Erde. Mehr dazu in unserer Blumenerde-Kaufberatung.

Vor Kurzem umgetopft?

Bei jungen Pflanzen kann es zu leichten Überdüngungserscheinungen kommen, nachdem sie in vorgedüngte Erde umgetopft wurden. Die Pflanze muss sich erst an die neue „Umgebung“ gewöhnen. Durch den Stress stoppt sie oft ihr Wachstum für ein paar Tage und kann keine Nährstoffe verarbeiten.

Lösung: Solange die Pflanze vorsichtig genug umgetopft wurde, sollten die Überdüngungserscheinungen in ein bis zwei Wochen von allein verschwinden. Dann sollte sich die Pflanze erholen und ihr Wachstum wieder aufnehmen. Falls die Symptome nicht besser oder gar schlimmer werden, muss man die Erde spülen (nur bei mineralischem Anbau).

Zu viel Dünger?

Wenn alle anderen Ursachen ausgeschlossen werden können, hat man möglicherweise tatsächlich zu viel Dünger zugegeben. Selbst wenn man nach Schema vorgegangen ist, können manche Sorten empfindlich reagieren.

Gerade bei Automatics wird oft vergessen, dass sie weitaus weniger Dünger brauchen. Man sollte wissen, dass Autos weitaus weniger Dünger brauchen, da sie weitaus kleiner wachsen als die normalen feminisierten (sprich photoperiodischen) Sorten. Wir empfehlen etwa 50 bis 75% der empfohlenen Schema-Dosierungen.

Lösung: Pflanze spülen und Düngerdosis herunterfahren

Um die Pflanze zu spülen, nimmt man das 2 bis 3-fache Volumen der Erde im Topf (sprich des genutzten Topfvolumens) an Gießwasser. Damit wird die Erde langsam und gleichmäßig verteilt durchgespült, sodass das Wasser unten herausläuft. Am besten macht man das Ganze in der Badewanne oder in der Dusche.

Nach dem Spülen muss die Erde ganz leicht neu angedüngt werden. Dazu einen hochwertigen mineralischen Dünger nehmen und mit 50% der Dosierung gemäß Schema hinzugeben. Dann mit jeder Düngung langsam steigern (60%, 70% usw.). Dabei die Pflanze beobachten, ob sie besser wird. Hat sich die Pflanze erholt, kann man die Dosis stabilisieren und nach dem Schema des Herstellers weiter gehen.

Achtung: Organische Erde soll man nicht spülen. Sonst muss man mit mineralischer Düngung fortfahren.

Beim organischen Grow sollte man die Erde nicht spülen, da man sonst das essenzielle Bodenleben ausspült. Man kann aber einfach die Düngung für ein bis zwei Wochen aussetzen oder auf 20% herunterfahren, bis die Symptome verschwinden.

Verbesserung der Symptome

Für beide Düngerarten gilt: Wenn sich die Pflanze von der Überdüngung wieder erholt hat, so erkennt man dieses an gesundem neuem Wachstum. Blätter bekommen keine „verbrannten“ Spitzen mehr und verfärben sich auch nicht mehr dunkel.

Hat sich die Pflanze erholt, sollte man dauerhaft etwa 50 bis 75% der Schema-Dosis düngen. Wie viel man düngt, hängt am Ende von der Sorte und der Größe der Pflanze ab.

Vermeidung von Überdüngung

Der erste Schritt, um Überdüngung zu vermeiden ist, dass man bei der Dosierung von Düngern auf die empfohlenen Düngerschemata der Hersteller achtet. Hier ist jedoch noch Vorsicht geboten, da Hersteller oft mit diesen Angaben übertreiben bzw. diese Empfehlungen oft nur für große und schnell-wachsende Pflanzen gelten. Im Zweifelsfall ist weniger immer besser!

Es empfiehlt sich zuerst mit 50% oder noch weniger der angegebenen Dosis zu düngen. Nur wenn Pflanzen im weiteren Verlauf Nährstoffmängel zeigen, kann man im Bedarfsfall die Dosis erhöhen. Weniger ist immer besser!

Viele Hersteller von Düngern für Cannabis stellen heutzutage Düngerechner zur exakten Dosierung auf deren Webseiten bereit. Mittels dieser kann man Details wie z. B. die Art des Grows (Erde, Hydro etc.), ph-Werte, Alter der Pflanzen usw. eingeben. Man bekommt dann eine optimale Dosierungsempfehlung für jeden Grow.

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